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Roman, 2. überarbeitete Ausgabe: Der größte Friedhof ist der Friedhof der Träume und Hoffnungen. Seine unsichtbaren Gräber bedecken jeden Winkel dieser Welt.

Jason Wunderlich wurde nicht geboren, er wurde hervor gezerrt in ein Leben voller Mühsal, Enttäuschungen und widrigen Umständen.
Jeder soll nur so viel auferlegt bekommen, wie er tragen kann, heißt es. Doch bei Jason funktioniert das nicht. Er trifft eine folgenschwere Entscheidung und muss feststellen, dass im Himmel auch nicht alles glatt läuft. Dort hat man seine Akte verlegt. Jason muss mit dem Sterben warten.
Am Ende seines Lebens liegt er hilflos und schwerst verletzt in einem Weinberg und hat alle Zeit der Welt, uns und seinem schmierigen „Umzugshelfer“ Benicio aus seinem Leben zu berichten. In seiner Unbeweglichkeit belauscht und beobachtet Jason vier lange Tage und Nächte seine Umgebung, während Benicio Jasons Akte sucht und die „Kleine“ aus der Verwaltung anbaggert.

Jason erinnert sich an die Menschen in seinem Leben, an seine Kindheit, seine Jugend, seine getroffenen Entscheidungen und an das, was er mal wollte und an all das, was er sich ganz anders gewünscht hat.

Was bereut man am Ende mehr? Das, was man im Leben getan hat oder jenes, was man unterließ?
Was hast du aus den Talenten gemacht, die Gott dir auf deinen Weg mitgab?

Zwei Erntehelferinnen arbeiten nicht weit von Jason entfernt. Werden sie ihn entdecken? Aber was dann? Reha? Ein Leben im Rollstuhl? Jason will nicht gerettet werden. Er möchte endlich sterben.

Jasons Erinnerungen taumeln durch die Stunden zwischen Wachen und Bewusstlosigkeit. Unfähig, sich zu bewegen oder auf sich aufmerksam zu machen, ist er seiner Umgebung und ihren Gefahren schutzlos ausgeliefert.

Jason ist unendlich müde, kann sich nicht mehr konzentrieren. Es regnet. Dann wird er gefunden. Von einer Traubenleserin. Mit letzter Kraft sieht Jason in ihre schönen Augen. Dann stürzt sie davon, um Hilfe zu holen.
Ein Roman über die Last des Lebens, unerfüllte Träume und verlorene Hoffnung.

buch-kaufen4Taschenbuch (292 Seiten, ISBN: 978-3740732332)

eBook (ISBN: 978-3740719562)

Hier gibt es eine Leseprobe: Lebenspläne – Sandburgen, bis die Flut kommt

Oder vorlesen lassen. Eine Hörprobe:

Update 24.11.2012 Weitere Informationen zu meinem Roman „Das Leben und Sterben des Jason Wunderlich“:

„In einem kühlen Grunde“ von Joseph von Eichendorff (1788-1857).
Während Jason seiner Umgebung hilflos ausgeliefert ist, lauscht und beobachtet er, was um ihn herum geschieht. Aus der Ferne trägt der Wind die Stimmen einer Chorprobe aus dem nahegelegenen Ort heran. Jason erkennt das Musikstück und singt es stumm mit.
Wer dieses Lied nicht kennt, kann sich hier ein YouTube Video dazu anhören, vorgetragen von dem wunderbaren Max Raabe.

„Die Regenballade“ von Ina Seidel (1885-1974).
4.Tag. Es regnet. Jason liebte Regentage. Nur lag er dann nicht bewegungslos und schwerst verletzt im nassen Gras. Wasser durchweicht seine Kleidung. Er denkt an seine Kindheit. Gedichte aufsagen, vor dem Zubettgehen. Dieses eine hat er nie vergessen.
Wer dieses Gedicht nicht kennt, kann sich hier ein YouTube Video dazu anhören, vorgetragen von dem unvergleichlichen Achim Reichel.

Update 07.01.2013 Der Buchtrailer zu „Das Leben und Sterben des Jason Wunderlich“ ist fertig:

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Cover-Atemlos1+2-200Ab sofort gibt es beide Atemlos Krimis von mir als E-Book-Doppelband zum Vorteilspreis. Der E-Book-Doppelband enthält die beiden Kriminalromane
Atemlos – Beim Sterben ist jeder allein
und
Atemlos – Von des Todes zarter Hand
in ungekürzter Ausgabe.

Der E-Book-Doppelband ist bei Amazon, Thalia, iTunes, Weltbild, Google Play, ebook.de und vielen anderen Onlineshops  erhältlich.

buch-kaufen4E-Book
(ISBN: 978-3-7368-6068-1)

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cover-atemlos2-200Kriminalroman: Die Geschichte von Anna Nowak und Anselm Jünger geht weiter.

Hauptkommissar Matheo Anderssons Vorgesetzte im Landeskriminalamt Mainz hatten sich unmissverständlich ausgedrückt. Sie wollten auf keinen Fall eine „Bonnie & Clyde-Geschichte“ daraus werden lassen. Deswegen schickten sie ihren besten Mann.
Doch das flüchtende Verbrecherpärchen gerät völlig außer Kontrolle. Anna Nowak und Anselm Jünger ziehen auf ihrer wilden Flucht eine blutige Spur hinter sich her. Auch vor Geiselnahme schrecken sie nicht zurück. Dabei fällt ihnen Matheo Anderssons junge und unerfahrene Kollegin Christine Bernard in die Hände. Ein nervenaufreibendes Katz-und-Maus-Spiel beginnt.
Eine Ballade. Eine „Bonnie & Clyde-Geschichte“. Ein rasanter Krimi aus Trier.

„Atemlos – Von des Todes zarter Hand“ erzählt davon, wie schnell sich Ereignisse hochschaukeln können und eine Situation völlig außer Kontrolle gerät.

buch-kaufen4Taschenbuch (244 Seiten, ISBN: 978-1482616286)

E-Book (ISBN: 978-3-7368-6066-7)

Das eBook ist in allen bekannten Online-Shops verfügbar. Das Taschenbuch wird auch im Regionalladen “Sinnessachen” im Hunsrückhaus auf dem Erbeskopf zum Kauf angeboten. In der Verbandsgemeindebücherei im „Haus der Begegnung“ und in der Stadtbibliothek-Trier kann es ausgeliehen werden.

Hier gibt es eine Leseprobe: Eine Bonnie and Clyde-Geschichte

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cover-atemlos2Die Geschichte von Anna Nowak und Anselm Jünger geht weiter. Kleiner Tipp für alle Fans von Christine Bernard: In „Atemlos – Von des Todes zarter Hand“ hat sie ihren ersten Auftritt in der Kriminaldirektion Trier.

Textprobe aus: Atemlos – Von des Todes zarter Hand

Rottmann ermittelt

„Verletzte Person. Nicht ansprechbar. Hoher Blutverlust. Fremdeinwirkung nicht auszuschließen. Arzt und Rettungsdienst bereits vor Ort.“
Solche Meldungen waren es nicht, die Jörg Rottmann die Sorgenfalten auf die Stirn trieben. An schlechte Nachrichten war er als Hauptkommissar der Trierer Kriminalpolizei gewöhnt. Es war die übermittelte Adresse, die ein unbestimmtes Gefühl bei ihm hinterließ. Denn genau dort stand das Haus, in dem auch der schwergewichtige Kollege Hauptkommissar Horst Krieger seine Wohnung hatte.
Ohne Eile legte Jörg Rottmann den Hörer zurück auf das Telefon. Dieser „Kunde“ lief nicht mehr weg. Dienstschluss. Die Kollegen vom Kriminaldauerdienst würden sich um den Fall kümmern.
Die Neugier trieb ihn dann doch die Treppe hinunter, anstatt geduldig auf den Aufzug zu warten und gelassen nach Hause zu fahren.
Nach einem kräftigen Tritt auf das Gaspedal des schwarzen Dienst-BMW schoss der schwere Wagen vom Gelände der Kriminaldirektion Trier. Feierabendverkehr.
Berufspendler und alle die, die zu dieser Zeit besser zu Hause geblieben wären, verstopften die Straßen der Innenstadt. Hauptkommissar Rottmann verspürte eine beinahe unbändige Lust, das Blaulicht auf das Dach zu packen und sich mit eingeschaltetem Sondersignal seinen Weg zu bahnen. Aber das gäbe nur wieder Ärger mit dem Alten.
Bei seinem Vorgesetzten, Kriminaldirektor Josef Weinig, hatte er nicht mehr viele Steine im Brett und bei Staatsanwalt Walter Lorscheider schon gar nicht. Den beiden war der oftmals ruppige Hauptkommissar nicht selten zu forsch. Der wiederum verstand die ganze Aufregung um seine Person nicht. Er fand sich ganz okay.
Ganz okay fanden seine Vorgesetzten lediglich seine außerordentlich gute Ermittlungsarbeit. Aufgrund derer sie ihn bis auf Weiteres Dienstwagen und Waffe führen ließen, nicht ohne sich seine Eignung dazu von Polizeipsychologin Karin Vollmer bestätigen zu lassen. Was die, wenn auch schweren Herzens, immer wieder tat. Der Herr Hauptkommissar glaubte deshalb, einen guten Draht zu der schlanken spröden Rothaarigen zu haben. Frau Polizeipsychologin jedoch sprach ihm gegenüber immer wieder nur von einem dünnen Faden.

Jörg Rottmann geduldete sich also, schaute gelangweilt aus dem Seitenfenster seines Wagens und erinnerte sich an seinen vor Anstrengung schnaufenden Kollegen, wenn der die Treppe in den ersten Stock hinauf in seine Wohnung erklomm. Weshalb der Dicke sich nicht eine Wohnung im Parterre gesucht hatte oder wenigstens in ein Haus mit einem Aufzug gezogen war, verstand er nicht. Vielleicht ein Rest Sportsgeist, der jeden Tag an den hundertsechzig Kilo Körpergewicht scheitern musste.
Plötzlich tat ihm sein Kollege leid. Keine Frau, keine Kinder. Krieger lebte allein und war sich angeblich selbst genug. Privaten Kontakt zu Kollegen hatte er kaum. Sicher fühlte er sich einsam.
Bevor Hauptkommissar Rottmann seinen sentimentalen Gedanken gänzlich erliegen konnte und womöglich noch ein schlechtes Gewissen bekam, weil er seinen Kollegen nicht ein einziges Mal nach Feierabend auf ein Bier eingeladen hatte, rollte er hinter einem Kleintransporter bei Gelblicht an der Verkehrsampel vorbei und bog in die Straße mit der gemeldeten Adresse ein.
Ein Krankenwagen, ein Notarztwagen und der schwarze Kleinbus eines Bestattungsunternehmens standen vor dem Haus. Die Spurensicherung war auch schon da. Das volle Programm. Also hatte der Notarzt bereits den Tod der aufgefundenen Person festgestellt und die Kollegen vom Kriminaldauerdienst hatten alle zuständigen Dienststellen informiert.
Jörg Rottmann fuhr in die Einfahrt zum Hinterhof hinein und ließ seinen Wagen auf die Garage von Hauptkommissar Krieger zurollen. Das Garagentor stand offen, ein blauer Ford Mondeo stand darin. Hinter dem Dienstwagen seines Kollegen stellte er seinen BMW ab.

Mit der Gewissheit ist das so eine Sache. Manchmal steigt man mit ihr in ungeahnte Höhen auf, so wie dann, wenn man endlich weiß, dass die Angebetete sich auch für einen interessiert. Aber Gewissheit reißt einen auch mit sich, tief hinunter in ein dunkles Loch. Es dauert seine Zeit, bis man sich daraus wieder befreit hat.
Gewissheit brachte Jörg Rottmann ein flüchtiger Blick. Der Fleischberg in der großen Blutlache dort auf den Fliesen in der Eingangshalle war sein Kollege Hauptkommissar Horst Krieger. Vor dem Absturz in das dunkle Loch befreite Jörg Rottmann nur die sofortige Aufnahme der Ermittlungsarbeit. Konzentriert und professionell.
Mit einem stummen Nicken begrüßte er Polizeihauptmeister Günther Hagemann von der Spurensicherung und stieg mit ausladenden Schritten über hölzerne Reste des Treppengeländers hinweg, die in der Eingangshalle des ehrwürdigen Bürgerhauses überall herumlagen.
Trotz seines Alters zeugte dieses Gebäude noch immer von dem gediegenen Wohlstand seines Erbauers aus einem längst vergangenen Jahrhundert. Aufwendig saniert und liebevoll gepflegt. Horst Kriegers Leiche konnte diesem Eindruck nichts anhaben. Dieses Haus hatte zwei Weltkriege überstanden. Es war, als forderte es alle Anwesenden geradezu dazu auf, ihre Haltung nicht zu verlieren.
Vielleicht war es aber auch die Anwesenheit von Ruth Mayr. Die alte Dame bewohnte die Wohnung über Hauptkommissar Krieger und stand kerzengerade mit verschränkten Armen in ihrem grünen Kleid auf dem ersten Treppenabsatz und beobachtete mit versteinerter Miene das Geschehen. Auch sie hatte bereits zwei Weltkriege überlebt und ertrug Schicksalsschläge seither mit Fassung. Geübt, als hätte sie es schon Hunderte Male ertragen müssen.

Hauptkommissar Rottmann riss sich von diesem Anblick los und gab Günther Hagemann mit einem Kopfnicken zu verstehen, von ihm unterrichtet werden zu wollen. Günther Hagemann ließ den Kopf von Horst Krieger sanft wieder zurück auf die Fliesen gleiten, zog seine blutverschmierten Einweg-Handschuhe aus und stand auf. Mit langen Schritten setzte er sich über die Reste des Treppengeländers hinweg in Richtung seines Kollegen in Bewegung.
„Hallo Günther, was haben wir?“
Polizeihauptmeister Hagemann zog sich den Mundschutz herunter.
„Was ich bisher sagen kann, ist, dass Horst offenbar das Geländer durchbrach und in die Eingangshalle herunter gestürzt ist. Bei seinem Gewicht, gepaart mit seiner Unsportlichkeit, hatte er keine Chance. Wenn er etwas trainierter gewesen wäre, hätte er sich wahrscheinlich auch sämtliche Knochen gebrochen, wäre aber vielleicht nicht daran gestorben.“
„Fremdeinwirkung?“
„Nicht auszuschließen.“
Günther Hagemann deutete mit einem kurzen Blick auf den Treppenabsatz und sprach weiter.
„Frau Mayr dort glaubt jedenfalls, zur Tatzeit eine fremde Person aus dem Haus laufen gesehen zu haben.“
„Scheiße.“
„So ist es.“
Jörg Rottmann klopfte Günther Hagemann freundschaftlich auf die Schulter und wendete sich ab. Der Polizeihauptmeister ging wieder an seine Arbeit.
Mit drei schnellen Schritten eilte Jörg Rottmann die Treppenstufen hinauf auf den Treppenabsatz und stand plötzlich vor Ruth Mayr. Die unterdrückte ihr Missfallen über diese ihrer Meinung nach der Situation völlig unangemessene Hast und reichte Hauptkommissar Rottmann ihre von Gicht und Altersflecken gezeichnete Hand zur Begrüßung.
„Rottmann, Hauptkommissar“, stellte er sich vor. „Ich untersuche den Tod meines Kollegen Hauptkommissar Krieger.“
„Angenehm. Ruth Mayr. Ich wohne im zweiten Stock.“
Blitzlichter von Günther Hagemanns Fotoapparat erhellten ihr Gesicht. Ruhig schaute sie ihrem Gegenüber in die Augen. Dabei blinzelte sie nicht ein einziges Mal. Ruth Mayr stand nur dort und wartete geduldig, während dieser ungestüme Kommissar vor ihr nach seiner ersten Frage suchte. Sie wusste noch, was sich gehört.
„Ja, äh, Sie haben jemanden aus dem Haus laufen sehen?“
„Einen jungen Mann. Ich würde ihn nicht wiedererkennen, dafür sind meine Augen zu schlecht, aber seinen Bewegungen nach zu urteilen, war er jung. Ich denke, schlank. Nicht sehr groß. Dunkle Hose, helle Jacke. Das war kurz nach dem entsetzlichen Lärm im Treppenhaus. Ich blieb in meiner Wohnung und lauschte an der Tür. Dann ging ich zum Fenster und schaute auf die Straße hinunter. In meinem Alter handelt man besser besonnen. Ich laufe nicht mehr irgendwelchem Gesindel nach.“
„Das war sehr klug von Ihnen. Womöglich hätte dieser Mann Ihnen etwas angetan, und wir hätten jetzt weder einen Hinweis noch eine Beschreibung.“
Jetzt wurde ihr dieser Kommissar etwas sympathischer. Erstaunt stellte Ruth Mayr fest, dass sie trotz ihres hohen Alters für Schmeicheleien immer noch empfänglich war.
„Wann genau haben Sie den Mann gesehen?“
„Vor etwas mehr als einer Stunde. Ich bin dann gleich hinuntergegangen und wollte schauen, ob Herr Krieger zu Hause ist. Nachdem ich ihn gefunden hatte, habe ich sofort die Polizei angerufen.“
“Wohnen noch weitere Personen in diesem Haus?“
„Ja, der Herr Forster im Erdgeschoss. Aber der arbeitet im Außendienst und ist selten zu Hause. Er scheint auch jetzt nicht da zu sein. Ich habe vorhin bei ihm geklingelt, aber es hat niemand geöffnet. Ist es nicht seltsam? In diesem Haus leben wir alle alleinstehend.“
„Lebten“, verbesserte Ruth Mayr sich mit einem Seitenblick auf die Leiche von Horst Krieger.
Jörg Rottmann beschloss, sich um diesen Forster später zu kümmern. Jetzt wollte er die Wohnung von Horst Krieger sehen.
Nachdem er in seiner Jackentasche eine Visitenkarte gefunden hatte, verabschiedete er sich von der alten Dame.
„Gut, Frau Mayr. Sie haben mir sehr geholfen. Hier ist meine Karte. Wenn Ihnen noch etwas einfällt, können Sie mich ja anrufen.“
In Hauptkommissar Rottmanns Kopf arbeitete es bereits.
Wer könnte diese unbekannte Person gewesen sein? Hatte sie etwas mit Horst Kriegers Tod zu tun? Konnte sie vielleicht Informationen liefern, die zur Aufklärung des Falles beitrugen? Vielleicht fand er einen Hinweis in Kriegers Wohnung. (mehr …)

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Michael E. Vieten - Die KammerNach seiner Scheidung erwirbt Julian in Schleswig-Holstein ein großes, altes Haus mit einem verwilderten Park. Der niedrige Preis war kaum zu glauben. Doch die Maklerin schwor, es gäbe keinen Haken. Trotzdem stand das Haus lange Zeit leer. Julian fühlt sich wohl dort. Wenn nur dieses Klopfen nicht wäre.
Dann erfährt Julian von dem grausigen Geheimnis der alten Mauern.

Ich bin der Auffassung, dass es mehr gibt zwischen Himmel und Erde, als wir mit unseren Sinnen erfassen können. Diese Überzeugung ist der Antrieb für meine Mystery Geschichten. Die meisten der geheimnisvollen Orte in meinen Erzählungen gibt es und ich bin dort gewesen. In dem beschriebenen Haus, welches Julian gekauft hat, habe ich selbst einige Jahre gelebt und bin nie das Gefühl losgeworden, darin nicht alleine zu sein. Der Rest ist Fiktion.

Textprobe aus: Unheimliche Begegnungen – Die Kammer

Friedlich lag das Anwesen in der Abenddämmerung. Beinahe ein magischer Ort, der mich mit einer wohltuenden Ruhe empfing. Ich stellte den Wagen in die Scheune und beschloss, noch einen Spaziergang zu machen.
Die Vögel verabschiedeten mit ihrem Abendlied den Tag. Es wehte kein Wind. Auf der Wiese vor dem Haus stieg Nebel auf. Langsam kroch die Feuchtigkeit in meine Kleidung. Als ich an der Südseite des Hauses vorbeiging, fiel mir ein fast verdecktes, kleines, schmales Fenster im ersten Stock auf. An dieser Seite stand eine riesige Kastanie dicht am Haus, und sie überragte das Gebäude deutlich. Ihre unteren Äste reichten bis an das Mauerwerk und hatten Schleifspuren am Putz der Fassade hinterlassen. Deswegen hatte ich das Fenster bisher nicht bemerkt. Es wurde von dem mächtigen Stamm und stark belaubten, dicken Ästen fast vollständig verdeckt.
Da der Flur nur ein Dachfenster über der Treppe hatte, müsste sich dieses Fenster an der Stirnseite meines Schlafzimmers befinden. Aber da war kein Fenster. Offenbar hatte man es zugemauert.
Es war dunkel hinter dem Glas, und durch die verwitterten Scheiben konnte ich außer Spinnweben nichts erkennen. Ich wollte bei Gelegenheit jemanden aus dem Dorf danach fragen.
Nach einem ausgedehnten Spaziergang ging ich wieder nach Hause. Kleine Steine knirschten bei jedem Schritt unter meinen Schuhen, als ich das Grundstück betrat. Die Sonne war längst untergegangen. Ich hatte vergessen, die Außenbeleuchtung einzuschalten. Also tastete ich mich im Dunkeln ins Haus.

Ich kochte mir in der Küche einen Tee und nahm ihn mit hinauf ins Schlafzimmer. Ich war zwar schon müde, wollte aber trotzdem noch etwas lesen.
Als ich im Bett lag, fiel mir wieder das kleine Fenster ein. Ich kniete mich am Kopfende in das Bett und tastete mit den Händen die Tapete ab. Etwa in der Mitte der Wand müsste das Fenster sein. Ich konnte aber keine Unebenheiten fühlen, die auf nachträglich verbaute Steine hindeuten könnten. Offenbar hatte der Maurer sehr gewissenhaft gearbeitet.
Ich beschloss erneut, bei Gelegenheit jemanden aus dem Dorf zu fragen, was es mit dem Fenster auf sich hatte und begann zu lesen.
Nach ein paar Seiten hörte ich wieder ein leises Klopfen. Tock, tock, tock. Ganz leise. Ganz zart. Tock, tock, tock.
Ich hatte mal über klopfende Dohlen gelesen, dass sie sich wie die Handwerker gebärden. Diese Krähenart nistet gerne in alten Gemäuern. Dabei klopfen und hämmern sie mit ihrem Schnabel, als hätte man die Zimmerleute im Haus.
Auch von lärmenden Waschbären und Mardern auf Dachböden wurde mir berichtet. Spuren ihrer Krallen könnte man an den Fallrohren der Dachrinne, die sie zum Aufstieg benutzen, feststellen. Am nächsten Morgen wollte ich das kontrollieren.
Während ich weiter las, klopfte es leise in unregelmäßigen Abständen. Ich schaute auf die Uhr. 0:20 Uhr. Ich legte das Buch beiseite, trank den Rest von meinem Tee und löschte das Licht. Wieder hörte ich dieses zarte Klopfen. Darüber schlief ich ein.

Als der Radiowecker mich mit leiser Musik weckte, war ich noch etwas benommen. Ich döste noch ein paar Minuten und schaute dabei aus dem Fenster. Es regnete.
Macht nichts, dachte ich. Am Vormittag sollten die bestellten Möbel geliefert werden. Da würde ich den Tag sowieso im Haus verbringen.
Kurz nach dem Frühstück klingelten die Mitarbeiter des Möbelhauses und begannen damit, die verpackten Teile in die Zimmer zu tragen. Dann bauten sie die Möbel zusammen und stellten sie auf. Ich hatte mir schon für jedes Möbelstück einen Platz ausgesucht und wusste genau, wo jedes Teil hingehörte. Am frühen Nachmittag sammelten die Leute die letzten Reste der Verpackung ein und verließen das Haus.
Mit dem angebrochenen und immer noch verregneten Tag war nicht mehr viel anzufangen. Da ich mittlerweile einen leichten Hunger verspürte, beschloss ich, ins Dorf zu fahren, dort etwas zu essen und eine Tasse Kaffee zu trinken. Ich hatte im Eingangsbereich des Supermarktes ein Steh-Café gesehen.

An allen drei Tischen in dem kleinen Café stand jemand. An einem der Tische erkannte ich die Kassiererin, mit der ich mich nach meinem Einkauf vor zwei Tagen unterhalten hatte. Sie rauchte eine Zigarette und hatte eine Tasse Kaffee vor sich stehen. Obwohl ich Nichtraucher war, fragte ich sie, ob ich mich dazustellen darf. Sie willigte ein.
Ich stellte meine Tasse Kaffee auf den Tisch und biss in mein Brötchen. Die Kassiererin löschte ihre Zigarette und trank einen Schluck Kaffee. Dann sprach sie mich an.
„Na, auch Feierabend?“
„Nein. Ich habe Urlaub.“
Wir kamen ins Plaudern, und ich erzählte ihr von meinem Haus.
Sie hieß Petra und wohnte im Dorf. Sie war auch geschieden und etwa in meinem Alter. Mir gefielen ihre braunen Augen und ihr langes, dunkles Haar. Sie erinnerte mich an Silke. Im Laufe des Gesprächs erzählte sie mir von ihrer Familie und dass ihre Mutter den Vorbesitzer meines Hauses gekannt hat. Ich fragte Petra nach ihm, aber sie war ihm nicht oft begegnet. Er lebte sehr zurückgezogen und ließ sich selten im Dorf blicken. Er war ihr auch immer etwas unheimlich. Auch über das kleine Fenster an der Südseite wusste sie nichts. Sie lud mich zu sich nach Hause ein und gab mir ihre Telefonnummer. Im Moment lebte sie bei ihren Eltern. Ihre Mutter könnte mir dann mehr über das Haus und den Vorbesitzer erzählen.

“Die Kammer” ist eine Erzählung aus der Serie ‘Unheimliche Begegnungen – Aus der Zwischenwelt’.

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Michael E. Vieten - Gute TageEigentlich steht Frank Reuter schon vor dem Ende seines Lebens. Und an Hokus Pokus glaubt er ohnehin nicht. Doch eine Nahtoderfahrung bringt ihn dazu, den Rat seines verstorbenen Vaters zu befolgen. Er reist zu einer modernen Hexe in den Harz und verbringt dort die bis dahin schönsten Tage seines Lebens. Wird Maga sein Leben verlängern können? Wird er endlich verstehen, dass es Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die wir nicht erklären können?

Nur, weil wir uns etwas nicht vorstellen können, bedeutet das noch lange nicht, dass es das nicht gibt. Genau diese Erfahrung macht der Pragmatiker Reuter während seines Aufenthaltes in Magas Pension. Er hat sich an den abgelegenen Ort zurückgezogen, um mit sich selbst die letzten Tage seines Lebens zu verbringen. Doch am Beispiel eines Ameisenhügels überzeugt Maga ihren Gast, das Universum außerhalb seines eigenen ‘Haufens’ anzunehmen.
Nachdem die Schulmedizin Frank Reuter aufgegeben hat, ist er bereit für ein neues Leben. Was bleibt, ist die Angst, es könnte zu spät sein.

Textprobe aus: Unheimliche Begegnungen – Gute Tage

Der volle Mond schien über die schwarzen Baumwipfel auf den Bergen und erhellte den Hof. Der wilde Bach war weiß vor Gischt und stürzte sich in die Dunkelheit der Nacht. Über allem lag der intensive Duft des Sommerjasmins.
„Der Bach führt dieses Jahr besonders viel Wasser.“
Maga stand auf der Brücke, stützte sich mit verschränkten Armen auf das Brückengeländer und schaute hinab in die tosenden Fluten.
Ich hatte nicht bemerkt, dass sie mir gefolgt war. Sie hatte sich ihre Strickjacke wieder übergezogen. Ich ließ das Handy in meine Hosentasche gleiten und ging über die Brücke zurück zum Haus. Sie stieß sich vom Brückengeländer ab ohne ihre verschränkten Arme zu lösen und begleitete mich durch die sternenklare, kühle Frühjahrsnacht zurück zum Haus.
„Als ich ein Kind war, sprach meine Mutter oft vom Himmelszelt. Ich dachte, die Sterne seien Löcher, die jemand hineingepickt hat, und fragte mich, was wohl außerhalb dieses Zeltes sein könnte.“ Während Maga sprach, konnte ich ihren Atem sehen.

Plötzlich bemerkte ich, dass im Mondlicht hinter dem Haus ein Mann bei den Obstbäumen stand.
„Da steht jemand auf ihrem Grundstück.“
Maga schien nicht besorgt zu sein.
„Ich weiß, und ich glaube, sie kennen ihn.“
„Woher soll ich den kennen? Ich war noch nie im Harz.“
Im selben Augenblick war der Mann verschwunden.
Da ich mir nichts übergezogen hatte, fröstelte ich und wir gingen hinein ins Haus. An der Treppe nach oben blieb ich stehen.
„Ich glaube, die Luftveränderung macht mir zu schaffen. Ich bin schon wieder müde. Ich gehe zu Bett.“
Maga schloss die Haustüre hinter sich und blieb dicht vor mir stehen.
„Ich wünsche Ihnen eine angenehme Nachtruhe. Ich backe für morgen früh noch ein frisches Brot.“
Dann verschwand sie in der Küche.
Ich stieg die Treppe hinauf und ging in mein Zimmer. Während ich meine Reisetasche auspackte und ein paar Sachen zurechtstellte, überlegte ich, wo das Bad sein könnte.
Mit meinem Waschzeug in der Hand verließ ich mein Zimmer und entdeckte am Ende des dunklen Flurs einen Raum, dessen Tür halb offen stand.
Ich ertastete den Lichtschalter und fand, wonach ich gesucht hatte. Ein kleines Duschbad. Das Dachfenster in der Schräge stand einen schmalen Spalt offen. Auch hier hörte ich das allgegenwärtige Rauschen des Baches.
Ich duschte, putzte mir die Zähne und ging zu Bett. Die Tür zu meinem Zimmer ließ ich offen und lauschte den Geräuschen, die Maga unten in der Küche machte.
Es war ein guter Tag. Gott hatte mich noch nicht zu sich gerufen und ich hatte Maga kennengelernt. Bevor ich mir weitere Gedanken machen konnte, rauschte der Bach mich in einen erholsamen, traumlosen Schlaf.

Obwohl die Sonne durch das kleine Dachfenster schien, war es noch kühl in meinem Zimmer. Ich stand auf, beeilte mich mit der Morgentoilette und zog mich an. Der Duft von frischgebackenem Brot und Kaffee lockte mich hinunter in die Küche.
Maga stand am Herd und goss eine kleine Kanne Kaffee auf.
„Guten Morgen. Setzen sie sich. Der Kaffee ist gleich fertig.“
Unter den Duft des frischen Brotes mischte sich der Geruch nach Feuer und Rauch. Der große Herd in der Küche wurde mit Holz oder Kohlen beheizt und wurde seiner Aufgabe mehr als gerecht. Moderne Heizkörper gab es in der Küche nicht. Auch in meinem Zimmer und in dem kleinen Duschbad fehlten sie.
„Ich heize nur die Küche und die Stube. Ich hoffe, ihnen ist es nicht zu kalt.“
Wieder schien Maga meine Gedanken erraten zu haben. Diesmal war ich mir sicher, dass ich nicht laut gedacht hatte.
„Nein, das ist schon in Ordnung so.“
Der Tisch war zum Frühstück gedeckt. Butter, Konfitüre und gekochte Eier standen bereit. Ich nahm auf dem gleichen Stuhl wie am Abend Platz und konnte den Bach durch das Küchenfenster in der Morgensonne glitzern sehen.
Maga füllte unsere Kaffeetassen und stellte die Kanne auf dem schweren Holztisch ab. Dann entzündete sie eine gelbe Kerze, die in dem eisernen Halter zwischen unseren Tellern stand.
„Heute keine schwarze Kerze gegen die bösen Gedanken?“, fragte ich sie etwas herausfordernd.
„Nein, ab heute nehmen wir eine gelbe Kerze. Ihr gelb steht für Heilung und der ab heute abnehmende Mond unterstützt uns dabei, etwas los zu werden.“
Maga griff nach dem Brotkorb, hielt ihn mir entgegen und schaute mich selbstbewusst an. Ich hielt ihrem Blick stand und griff nach einer Scheibe des frischen Brotes.
„Wenn sie es sagen …“

“Gute Tage” ist eine Erzählung aus der Serie ‘Unheimliche Begegnungen – Aus der Zwischenwelt’.

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Michael E. Vieten - TanneckVier Freunde treffen sich zu einem Zelturlaub im Harz. Jeden Abend erscheint hoch oben auf den nahe gelegenen Klippen eine Frau und starrt auf den Zeltplatz herunter. In der Dorfbäckerei erfahren sie, dass Marianne Weber sich dort vor Jahren zu Tode stürzte. Ihr Mann hat ihren Tod nicht verkraftet und ist seitdem verschwunden. Während eines heftigen Gewitters löst sich in dem dunklen Fichtenwald ein Schuss. Ein Totenschädel rollt in das Zeltlager und bleibt vor den Füßen der Camper liegen. Wer ist die Frau auf den Klippen? Und wo ist Kurt Weber?

Wer schon einmal am Waldrand gezeltet hat, kennt das. Man liegt wach. Ein leichter Nachtwind bewegt die Äste der Bäume und das Mondlicht wirft deren Schatten auf die Zeltwände. Wenn man sich dann noch gegenseitig Gruselgeschichten erzählt, ist die Atmosphäre perfekt.

Textprobe aus: Unheimliche Begegnungen – Tanneck

Die Kühle des Morgens und der Duft von Wildkräutern auf der Wiese weckten mich auf. Ein leichter Wind wehte in das Zelt hinein und spielte mit dem Zeltstoff. Der Eingang stand offen, Katrin war schon aufgestanden. Ich hörte draußen vor dem Zelt jemanden mit Geschirr klappern. Doris und Katrin unterhielten sich leise. Ich öffnete meinen Schlafsack. Die Morgensonne schien durch die Lüftungsgitter, ein wenig Kondenswasser lief von innen an der äußeren Zeltplane herab. Auf der Wiese summten Insekten, Vögel zwitscherten, und in den Kronen der Fichten rauschte der Wind. Dann hörte ich Doris leise lachen und wie jemand Wasser in ein Gefäß goss und einen Gasbrenner anzündete.
Noch etwas benommen stand ich auf. Das Zelt war hoch genug, sodass ich stehen konnte. Ich zog meine Jeans und die Schuhe an, nahm mein Waschzeug und trat vor das Zelt. Doris und Katrin saßen an der Sitzgruppe und begrüßten mich. Sie hatten einen Sonnenschirm darüber aufgespannt. Ich gab Katrin einen Kuss, fragte nach der Uhrzeit und nach Ralf.
„Es ist kurz nach acht. Ralf schläft noch“, sagte Doris leise.
Dann machte ich mich auf den Weg zum Bach.
Als ich wieder zum Lagerplatz zurückkam, hatten Doris und Katrin schon Kaffee gekocht, das Frühstück vorbereitet und Ralf saß bereits am Tisch.
„Morgen“, brummte er mir entgegen. „Wie kalt ist das Wasser?“
„Ungefähr so“, antwortete ich und zeigte ihm zwischen meinem Daumen und dem Zeigefinger einen Abstand von zwei bis drei Zentimetern. Alle lachten und wir nahmen unser Frühstück ein.
„Wem gehört eigentlich diese Hütte da“, fragte ich Ralf.
„Keine Ahnung. Vielleicht dem Jagdpächter. Bei dem habe ich auch den Zeltplatz gemietet.“
„War jemand von euch heute Nacht noch einmal auf?“, fragte Doris in die Runde.
Alle schüttelten den Kopf.
„Nö“, bekräftigte ich. „Warum?“
„Ich musste kurz, nachdem ich im Zelt lag, noch einmal raus. Als ich vom Wald zurückkam, glaubte ich, jemanden auf den Felsen dort oben stehen gesehen zu haben. Es war eine sternenklare Nacht, ohne Wolken, der Mond schien hell.“
Wir schauten Doris an. Ralf senkte seinen Kopf, runzelte seine Stirn und blickte Doris unter seinen Augenbrauen hervor an.
„Du brauchst gar nicht so zu gucken. Ich bin mir fast sicher“, zweifelte Doris.
„Fast“, bekräftigte Ralf. „Jemand mitten im Wald, mitten in der Nacht? Wohl eher unwahrscheinlich.“
„Aber wir sind doch auch hier“, schaltete sich Katrin nun ein und stand Doris bei.
„Das nächste Mal weckt ihr uns, und wir gucken mit dem Fernglas“, beruhigte Ralf die beiden.
Die Sonne stand schon hoch am Himmel, es wurde wieder sehr warm. Nachdem die Zelte und die Schlafsäcke ausgelüftet waren, beschlossen wir, in den nächsten Ort zu fahren und Lebensmittel zu kaufen. Bei dieser Gelegenheit wollten wir auch gleich beide Autos wieder volltanken.

Es war ein kleiner Ort, aber er bot uns alles, was wir brauchten. Wir fanden eine Tankstelle, einen kleinen Supermarkt und eine Bäckerei. Wir tankten, kauften im Supermarkt ein und gingen, jeder mit einem Eis in der Hand, zur Bäckerei.
Wir waren die einzigen Kunden. Hinter dem Verkaufstresen stand eine ältere Verkäuferin und begrüßte uns höflich. Nachdem wir uns mit Brot und Brötchen für die nächsten Tage eindeckt hatten, erkundigte sie sich neugierig, ob wir Touristen seien und wo wir abgestiegen wären.
Ich erzählte ihr vom Tanneck. Daraufhin verdunkelte sich ihre Miene und sie sprach mit mahnender Stimme.
„Dann passen sie gut auf sich auf. Seien sie nicht leichtsinnig und klettern sie nicht auf den Felsen herum. Am Tanneck gab es vor Jahren eine furchtbare Tragödie. Die Weber Marianne ist von den Felsen in den Bach gestürzt. Ihr Mann, der Weber Kurt, dem gehörte das Tanneck, war ebenfalls eines Tages verschwunden und tauchte nicht mehr auf. Zuhause war er nicht und in seiner Hütte auch nicht. Auch im Wald haben sie ihn gesucht, aber bis heute keine Spur von ihm gefunden. Ich sag ihnen was. Der hat den Tod seiner Marianne nicht verkraftet. Der hat sich umgebracht. Irgendwo. Vielleicht ist er auch die Felsen runter und der Bach hat ihn mitgenommen. Wenn es ordentlich regnet, führt der Bach viel mehr Wasser als jetzt.“
Dann betrat ein weiterer Kunde die Bäckerei. Wir verabschiedeten uns von der Verkäuferin und gingen zu unseren Autos zurück. Keiner sprach etwas, jeder machte sich seine Gedanken
„Ist ja gruselig“, brach Doris unser Schweigen. „Wer weiß, wer das heute Nacht auf den Felsen war.“
„Also, Marianne war es sicher nicht“, blödelte Ralf, lachte und versuchte uns aufzumuntern.
Unsere Ferienstimmung war durch diese Geschichte etwas gedämpft. Auf der Rückfahrt zum Tanneck beschlossen Katrin und ich, uns die schöne Zeit hier nicht verderben zu lassen. Wir bedauerten das Schicksal von Marianne und Kurt Weber, aber wir kannten sie nicht, hatten mit dem Fall nichts zu tun und wollten hier nur eine Woche Urlaub mit unseren Freunden machen.

Als wir um die Hütte herum wieder auf die große Wiese fuhren, hatte der Ort für uns nichts von seinem Charme verloren. Die Sonne schien von einem wolkenlosen Himmel herab, der Bach plätscherte, ein warmer Sommerwind rauschte in den Kronen der Fichten und strich sanft über das hohe Gras. Auf der Wiese summten Insekten in den Blüten der Wildblumen auf ihrer Suche nach Nektar.
Ralf und Doris waren nach einem kurzen Gespräch mit uns einig. Gemeinsam verräumten wir die eingekauften Sachen und beschlossen, anschließend den angrenzenden Wald und die Felswand zu erkunden. Wir wollten nicht klettern, sondern einen Weg finden, der uns auf die Felsen führte. Nachdem wir uns feste Schuhe angezogen hatten, gingen wir über die kleine Brücke in den Wald.

Das Gelände stieg an und war mit hohen Fichten bestanden. Die Sonnenstrahlen erreichten kaum den Waldboden. Unter dem dichten Nadeldach war es deutlich kühler als auf der Wiese. Immer steiler ging es den Hang hinauf. Unsere Schritte wurden von dem weichen Waldboden gedämpft. Nur manchmal trat einer von uns auf einen kleinen Ast, der leise knackend unter unseren Füßen brach. Wir hielten uns rechts, dort musste die Felswand sein. Schwer atmend blieben Ralf und ich stehen und warteten auf Doris und Katrin. Wir schauten uns um und entdeckten einen schmalen, kaum auszumachenden Pfad. Wie ein Wildwechsel schlängelte er sich den steilen Hang hinauf. Da er offenbar in die Richtung der Felsen führte, beschlossen wir, ihm zu folgen.
Je höher wir dem schmalen Pfad den Hang hinauf folgten, desto unwegsamer wurde er. Wir gingen langsamer und achteten auf unsere Schritte. Baumwurzeln ragten aus dem Boden, dazwischen lagen große Steine. Rechts von uns, nicht weit entfernt, konnten wir zwischen den Stämmen der Bäume hindurch Felsgestein sehen.
Ralf und ich blieben erneut stehen und warteten auf die Mädchen. Der Pfad war jetzt so steil, dass wir mehr kletterten als liefen. Als Doris und Katrin uns erreichten, blieben wir noch einen Moment stehen. Auch sie brauchten eine kleine Pause.
Nachdem wir uns etwas erholt hatten, gingen wir weiter. Jetzt blieben wir dichter beisammen und halfen uns gegenseitig den steilen Pfad hinauf. Bald hatten wir die Felswand erreicht und der schmale Weg schlängelte sich davor weiter bergauf. Nach etwa 50 Metern führte der Pfad vorbei an dicken Fichtenstämmen auf eine ebene Fläche. Dann standen wir auf einem kleinen Plateau. Hier oben, auf der Felswand, hatten wir eine herrliche Fernsicht über den Harz. Der Fels war zum Teil mit Gras und Moos bewachsen. Erschöpft ließen wir uns auf einen Flecken weichen Boden fallen, ruhten uns aus und genossen den Ausblick.

Nach einer ganzen Weile stand ich auf und trat an den Rand des Plateaus.
„Sei bloß vorsichtig“, rief Katrin mir hinterher.
Von den Felsen herunter konnte man die Lichtung sehen. Mitten darauf standen unsere Autos. Deren Fahrspuren im Gras und die Kuppeln der beiden Zelte waren deutlich zu erkennen. Was für ein friedlicher Ort dachte ich mir. Dann schaute ich zu der Hütte unter den Obstbäumen und mir fiel wieder die Geschichte ein, die uns die Verkäuferin in der Bäckerei erzählt hatte.
Hier also war Marianne Weber hinab gestürzt. Ich machte noch einen Schritt auf den Rand des Plateaus zu und beugte mich vorsichtig nach vorn. Dann blickte ich nach unten und sah den Bach.
„Wer da herunterfällt, ist ganz sicher tot“, sagte Ralf plötzlich hinter mir.
Ich hatte nicht bemerkt, dass er mir gefolgt war. Ich machte einen Schritt zurück und drehte mich um. Doris und Katrin waren mir ebenfalls gefolgt und traten vorsichtig an den Plateaurand. Doris verzichtete auf einen Blick nach unten. Katrin verschränkte ihre Arme vor der Brust, beugte sich behutsam vor und schaute in die Tiefe. Auf ihren nackten Armen bildete sich dabei eine Gänsehaut. Ihre langen, blonden Haare wehten im Wind.
Was für eine Tragödie, wenn sie jetzt hinunterfiel, durchfuhr es mich. Ein unerwarteter Windstoß oder ein unachtsamer Schritt und schon konnte es passiert sein.
Plötzlich hatte ich Angst um sie. Schreckliche Vorstellungen drängten sich mir auf. Ich sah in Gedanken, wie sie abstürzt, unten aufschlägt, ihre Glieder zerschmettert, von der Strömung des Bachs fortgerissen. So wie es die Verkäuferin erzählt hatte, so wie es Marianne Weber ergangen war. Endlich machte Katrin einen Schritt rückwärts und trat von dem Felsenrand zurück. Sie drehte sich zu mir um, sah mich an und schien meine Gedanken zu ahnen. Dann umarmte sie mich und scherzte: „Keine Sorge, so schnell wirst du mich nicht los.“

“Tanneck” ist eine Erzählung aus der Serie ‘Unheimliche Begegnungen – Aus der Zwischenwelt’.

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